Vor einigen Jahren war ich bei einem wunderbaren Vortrag von Pater Anselm Grün, als er diese Frage stellte: „Was hinterlassen Sie für Spuren?“
Diese Woche hat ein geliebter Mensch aus unserer Familie uns verlassen und mir kam dieses Thema wieder in den Kopf: Was hinterlasse ich als Erinnerung, wenn ich gehe? Woran werden sich meine Kinder erinnern? Mein Partner oder meine Freunde? Wann denke ich an meine Eltern und was haben sie mir hinterlassen?
Beide Elternteile sind leider ziemlich früh gegangen. An meine Mutter denke ich immer an Regentagen, wenn wir nachmittags zusammen eine „Siesta“ machten und sie sagte: „Hör mal, wie schön es ist, dem Regen zu lauschen, wenn wir hier so kuscheln.“ Diese Liebe und Wärme kann ich wieder spüren – allein während ich diese Zeilen schreibe.
Eltern können auch bizarre Erinnerungen hinterlassen. Mein Vater zum Beispiel hatte ein großes Thema mit Haaren: Sobald er ein Haar im Essen fand, stand er sofort auf und aß keinen Bissen mehr. Eine schräge Erinnerung!
Meine Lieblingstante war eine echte Genießerin. Jedes Mal, wenn sie eine Scheibe Wassermelone aß, schnitt sie sie durch und drehte sie um, damit sie das süßeste Stück erst ganz zum Schluss genießen konnte. Heute muss ich jedes Mal an sie denken, wenn ich Wassermelone esse.
Bei uns in Brasilien gibt es eine gezuckerte Kondensmilch namens Milchmädchen. Meine Tante benutzte sie für Nachspeisen. War die Dose leer, schenkte sie ihren Kaffee direkt hinein, um den restlichen süßen Schaum auszulöffeln. Kindheitserinnerungen!
Und unsere Geschwister? Welche Erinnerungen verbinden wir mit ihnen? Meine kleine Schwester hatte schreckliche Angst vor dem Weihnachtsmann und vor Autofahrten im Nebel. Meine große Schwester half Mama in der Küche – und wann immer es ein Gericht mit Hackfleisch gab, wollte sie sich vorher immer etwas rohes Fleisch „stibitzen“.
Nach dem Verlust meiner Eltern litt ich viele Jahre und war tief traurig, wenn ich an sie dachte. Was heute bleibt, ist vor allem eines: eine große Liebe. Das ist meiner Meinung nach die schönste Spur, die wir auf dieser Erde hinterlassen können.
Oder wie Mutter Teresa aus Kalkutta sagte:
„Verbreite Liebe, wo immer du gehst. Lass niemanden zu dir kommen, ohne dass er nach der Begegnung glücklicher ist“.“
Und du? Was hinterlässt du hier für Spuren?
